ÜBER 400 JAHRE AKTIEN – DAMALS WIE HEUTE, BESTE GELDANLAGE!

Am 31. Mai 2016, in Magazine, von Dr. h.c. Stefan Buchberger

Als am 20. März 1602 in Amsterdam mit der „Verenigden Ostindischen Compagnie“ – VOC – die bis dato mächtigste Handelsgesellschaft der Welt gegründet wurde, erblickte auch die Aktie in ihrer heutigen Form das Licht der Welt. Aus der Finanzwelt ist sie seitdem nicht mehr wegzudenken. Sie dient als einfaches Mittel für Unternehmen, um an neues Kapital zu gelangen. Als erfolgsversprechendes Anlage- und Spekulationsobjekt für Investoren, wechselt sie heute täglich in aller Welt millionenfach den Besitzer. Am 20. März war 2016 die Aktie 414 Jahre alt.

 

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Dipl.-Ökonom Ashish Kochar – rechts, Portfoliomanager bei Threadneedle, diskutiert in London mit CEO Dr. h.c. Stefan Buchberger von der TRUST-Gruppe, über die globalen AKTIEN-Investments für professionelle Anleger 
 

Zuerst erzähle ich Ihnen eine Geschichte zum Nachdenken

Ein Unternehmen hat seine Spitzenleute auf ein teures Seminar geschickt. Sie sollen lernen, auch in ungewohnten Situationen Lösungen zu erarbeiten. Am zweiten Tag wird einer Gruppe von Managern die Aufgabe gestellt – die Höhe der Fahnenstange zu messen.

Sie beschaffen sich eine Leiter und ein Bandmaß. Die Leiter ist zu kurz. Also holen sie einen Tisch, auf dem sie die Leiter stellen. Es reicht immer noch nicht. Sie stellen einen Stuhl auf den Tisch. Nur der Aufbau fällt immer wieder um. Alle reden durcheinander, jeder hat andere Vorschläge zur Lösung.

Eine Frau kommt vorbei und sieht sich das Treiben an. Dann zieht sie wortlos die Fahnenstange aus dem Boden, legt sie auf die Erde, nimmt das Bandmaß, misst die Stange von einem Ende zum anderen, schreibt das Ergebnis auf einen Zettel und drückt ihn zusammen mit dem Bandmaß einem der Männer in die Hand. Dann geht sie weiter.

Kaum ist sie um die Ecke, sagt einer der Top-Manager – „Das ist wieder typisch Frau! Wir müssen die Höhe der Stange wissen und sie misst die Länge! Deshalb lassen wir weibliche Mitarbeiter auch nicht in den Vorstand!“

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Gewürze als Dividende

Die VOC-Aktien waren Namenspapiere, über deren Besitz ein Register geführt wurde. Diese Aktien waren nach den Erkenntnissen von Wirtschaftshistorikern das erste „dividendentragende Papier“, das regelmäßig an der Börse in Amsterdam gehandelt wurde. In den ersten Jahren konnten die VOC-Aktionäre nicht auf üppige Zahlungen in Heller und Pfennig hoffen. Stattdessen haben sie bis 1645 mit exotischen Gewürzen wie Ingwer, Zimt oder Pfeffer vorlieb genommen. In Zeiten, in denen seltene Gewürze oft in Gold aufgewogen wurden, brachte diese Form der Erfolgsbeteiligung vielen ein ansehnliches Vermögen. Die Auszahlung in Naturalien brachten den frühen VOC-Aktionären schnell den Spitznamen ein – Die Pfeffersäcke von Amsterdam.

Psychologie gehörte immer dazu

Dass die Psychologie bei Aktienkauf und Börsenhandel eine hervorstechende Rolle spielt, zeigte sich schon 1604, als die ersten Schiffe der VOC endlich in See stachen. Allein die Hoffnung auf satte Gewinne aus dem Überseehandel hatte den Kurs der Aktie innerhalb von zwei Jahren um fast 40 Prozent in die Höhe schnellen lassen. Wer zu den 2.153 VOC-Aktionären der ersten Stunde gehörte, konnte sich in den kommenden Jahren über hohe Renditen von bis zu 75 Prozent pro Jahr freuen. Generationen später, 1720, wurde das Papier in Amsterdam um 1.260 Prozent über seinem Ausgabepreis gehandelt.

Siegeszug der besten Anlageart der Welt begann

In den folgenden Jahrhunderten war der Siegeszug der Aktie nicht mehr aufzuhalten. Mit Beginn der Industrialisierung versuchten viele Unternehmen vor allem der Bergbau- und Eisenbahnindustrie ihren immensen Kapitalbedarf über die Börse zu decken und lockten mit hohen Dividenden. Im bis heute weltweit führenden Leitindex an der New Yorker Börse – Dow Jones, waren damals 20 Eisenbahngesellschaften notiert.

Gründerboom und Gründerkrise

Auch in Deutschland wuchs die Zahl der Aktionäre während des Gründerbooms nach der Reichsgründung 1870 – 71 rasant. Alleine in Preußen wurden zwischen 1870 und 1873 rund 857 Aktiengesellschaften gegründet. Nach dem Boom folgte die Gründerkrise – Bis 1874 halbierte sich das Gesamtvermögen der deutschen Aktionäre nahezu und sank von rund 4.5 Milliarden Mark – 1872 auf etwa 2.4 Milliarden Mark. In den meisten Fällen trugen Spekulanten und unvorsichtige Unternehmer die Schuld an dieser gigantischen Wertvernichtung.

Anlegerschutz in Deutschland seit 119 Jahren

Wirksameren Schutz für die Anleger brachte das 1897 erlassene Börsengesetz, das erstmals für alle deutschen Börsen – damals gab es mit 28 regionalen Handelsplätzen deutlich mehr als heute – galt. Das neue Gesetz brachte unter anderem die Staatsaufsicht, schloss gleichzeitig „Personen weiblichen Geschlechts“ vom Börsenbesuch und vom Handel mit Aktien aus. Bis Frauen ihr Geld an der Börse verdienen und vermehren konnten, sollten noch mehr als 20 Jahre vergehen.

Turbulente Ereignisse brachten Einschnitte

Waren 1919 bei den Handelsgerichten noch 5.345 Aktiengesellschaften gemeldet, schnellte ihre Zahl bis 1923, dem Jahr der galoppierenden Inflation und der rasantesten Geldvernichtung in der deutschen Geschichte bis auf 16.472 in die Höhe. Der Zweite Weltkrieg und die anschließende Währungsreform 1948 vernichteten weiteres Vermögen, dennoch konnten viele traditionsreiche deutsche Aktiengesellschaften schon wenige Jahre später ihren Anteilseignern wieder eine Dividende zahlen. Den Anfang machte 1954 Siemens.

Erste Volksaktien in Deutschland

Aktuell gibt es in Deutschland nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts rund 12.000 Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien. Die wenigsten davon – etwas mehr als 1.000 – sind an einer Börse notiert und bieten für jedermann eine Möglichkeit sein Geld in interessante Unternehmen zu investieren. In Deutschland hat es fast 400 Jahre von der ersten Börsennotiz der VOC-Aktie 1602 bis zum Börsengang der Telekom 1996 gedauert, bis Aktien ihren Siegeszug auch bei einem breiten Publikum erlangten.

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